Als Ona am frühen Abend zurück in die Stadt ritt, war sie davon überzeugt, dass der Tischler nicht da gewesen war. Umso überraschter war sie, als sie den jungen Mann vor ihrem Stand stehen sah. Als dieser Ona und Kessy erblickte, kam er auf die beiden zu.
“Verzeiht bitte, dass ich nicht wie versprochen da sein konnte.”sprach er. “Mich hatte ein Notfall aufgehalten.”
Ona lächelte sanft. “Das ist kein Problem. Ich glaube aber nicht dass wir heute Abend noch etwas zustande bekommen. Wollen wir das ganze vielleicht auf morgen verschieben?”
“Ja, ja natürlich.” Der Mann nickte eifrig. “Ich könnte euch ab neun Uhr zur Verfügung stehen.”
“Das klingt doch super.” Ona nickte zustimmend und machte sich eine gedankliche Notiz für die Uhrzeit. Der Mann warf ihr ein schnelles Auf Wiedersehen zu und war verschwunden. Mit gerunzelter Stirn machte Ona kehrt, um mit Kessy zur Taverne zu reiten. Der hektische Abgang des Mannes war ihr komisch vorgekommen. Sie hatte es nicht einmal geschafft, nach seinem Namen zu fragen oder sich selbst vorzustellen. Doch das erschien Ona nun nicht als ein wichtiges Problem.
Beiträge von Leyla
Mitternacht naht, und mit ihr der magische Moment, in dem alle Entscheidungen getroffen sein sollten. Charaktere, die bis zu diesem Zeitpunkt keine Unterkunft gefunden haben, übernachten automatisch unterm Sternenhimmel und beenden unvollendete Dialoge. Es ist der Zeitpunkt, um eurer Abenteuer abzuschließen und die Ereignisse für den kommenden Tag zu planen.
-
-
Der Tischler ließ jedoch auf sich warten. Nachdem Ona einige Minuten nur vor dem Stand herumstand, wurde es ihr zu blöd. Sie fertigte eine kleine Notiz für den Tischler an, falls er später noch vorbeikommen sollte und machte dann Kessy fertig, um mit ihr auszureiten.
Sobald die Stadttore hinter Kessy und Ona lagen, trieb Ona die Stute in einen sanften Trab. Der Wind fuhr durch Mähne und Haar und Ona liebte die Freiheit, die sie fühlte während sie mit Kessy ausritt. -
Nicht weit entfernt fand Ona einen Tischler, der ihr versprach ihr mit den Möbeln zu helfen, sobald der Mittag vorbei war, wenn weniger Andrang ist. Dadurch hatte Ona ein bisschen Zeit, die sie nutzte um sich auf dem Markt gründlich umzusehen. Sie entdeckte Obst und Gemüsestände, sowie mehrere Weber. Bei beidem hielt Ona kurz um neuen Vorrat an Essen und Kleidung zu kaufen. Mit ihren Sachen machte sie sich schließlich auf den Weg zurück und hoffte an ihrem Stand den Tischler anzutreffen.
-
Am Marktplatz herrschte ein großes Gedränge, weswegen Ona Kessy direkt in ihre neue Box stellte, als sie ihren Stand erreichten. Dann nahm sie sich einen Besen und begann den Boden zu kehren. Die meisten alten Möbel hatte Ona bereits hinter den Stand gelegt, sodass nichts im Weg rumlag und einem gründlichen Putz nichts mehr im Wege stand. Glücklicherweise war der Stand nicht besonders verwinkelt und hatte auch einen recht stabilen Boden aus Stein, was das Fegen deutlich erleichterte. Ona kehrte Staub und Dreck bis ganz nach hinten im Stand und dann aus der Tür heraus in die Gasse dahinter. Anschließend stellte Ona den Besen wieder weg und nahm sich das viele morsche Holz vor. Sie überlegte ein bisschen, was sie mit dem Holz anfangen könnte und nahm sich schließlich vor es als Brennholz zu verkaufen. Ona verstaute das Holz an der Wand von Kessy’s Box und machte sich auf die Suche nach einem Tischler, bei dem sie neue Möbel kaufen konnte.
-
Müdigkeit war etwas was Ona nicht ausstehen konnte. Umso mehr hasste sie es, dass sie die Nacht über schlecht geschlafen hatte. Unruhige Träume, die sich zu real anfühlten hatten sie wach gehalten und dies bescherte Ona gewaltige Stimmungsschwankungen und schlechte Laune. Sie bemerkte es bereits als sie die Taverne verließ und Kessy aus dem Stall holte. An diesem Morgen konnte ihr nichts gerecht werden. Trotz allem, machte sie sich auf den Weg zum Markt, um dort weiter an ihrem Stand arbeiten zu können.
-
An der Taverne angekommen, übergab Ona Kessy einem Knecht im Stall und betrat die Taverne. An der Theke bestellte sie sich etwas zu essen und zu trinken und erkundigte sich bei dem Wirt, ob noch ein Zimmer zu haben sei. Dieser versicherte Ona, dass sie hier nächtigen konnte. Nach der kurzen Mahlzeit gab Ona dem Wirt, der sich ihr als Nurak vorgestellt hatte, mehrere Epos, um ihm das Essen und Zimmer zu bezahlen und ging dann auf das ihr zugewiesene Zimmer um sich schlafen zu legen.
-
Die Sonne sank am Horizont immer tiefer und deckte Eldan in einen abendlichen Schimmer. Ona trat aus dem Stand, den sie nun ihr Eigentum nennen konnte und sah sich um. Sie hatte es geschafft, die Box für Kessy fertig zu renovieren und war bereits am entrümpeln. Es gab leider doch einige Sachen, die bereits zu morsch und nicht mehr zu gebrauchen waren. Zufrieden sah Ona sich um. Neben ihr lag ein Haufen entrümpeltes Holz, Kisten Schubladen und auch die alte Theke. Darum würde sie sich morgen weiter drum kümmern. Jetzt wollte Ona allerdings nur noch ins Bett. Die körperliche Arbeit hatte sie sehr angestrengt. Deswegen nahm sie Kessy aus der Box, sattelte und trenste sie und ritt zurück zu der Taverne, wo sie schon gefrühstückt hatte.
-
Die Frau sah kurz zu Ona herüber und zuckte mit den Schultern. “Kannst ihn dir nehmen, wenn du willst. Hat früher dem alten Obsthändler gehört, aber der ist vor Jahren schon von uns gegangen. Seitdem steht der Stand leer. Musst ihn halt n bisschen aufpäppeln.” Damit wandte sich die Frau wieder ihrem Strickzeug zu. Ona schenkte ihr ein Lächeln und ließ sich nicht anmerken wie unhöflich sie ihren schroffen Ton fand. “Vielen Dank für die Info. Ich bin übrigens Ona. Wie heißt Ihr?” “Clay” antwortete Clay, ohne auf zu blicken. Damit ihr nichts unangebrachtes raus rutschte, bis sich Ona auf die Lippe. Sie beschloss Clay einfach sitzen zu lassen und begann den Stand zu begutachten. Er war aus gutem Holz geschnitzt und Ona bemerkte, dass sie sogar problemlos Kessy mitnehmen konnte, da im hinteren Teil des Standes eine Box eingebaut war. Ona beschloss dort mit der Renovierung anzufangen.
-
Nach einem kurzen Frühstück und einer etwas zu langen Ausführung des Tavernen Inhabers über die schönsten Orte in Eldan, verließ Ona die Taverne wieder. Die Sonne strahlte vom Himmel herab und Kessy sah Ona mit einem ‘auch mal fertig’ Blick an. Die Stute hatte das gesamte Heu und Wasser, das Ona ihr gegeben hatte, bereits aufgegessen. “Schau mich nicht so an Kessy.” meinte Ona mit einem Lächeln, “Ich bin diejenige gewesen, die sich das ganze Gelaber gerade anhören musste.” Kessy schnaubte ihr als Antwort ihren warmen Atem ins Gesicht. Nachdem Ona einmal ihre Ausrüstung überprüft und Kessy’s Hufe sauber gemacht hatte, schwang sie sich in den Sattel und begann, zum Markt zurückzukehren. Dort wollte sie sich erkundigen, ob es noch freie Marktstände gab, wo sie ihre Ware verkaufen konnte. Ona hatte von dem Geschäft ihrer Eltern den Handel mit Gewürzen beigebracht bekommen und wusste wie wertvoll diese Ware war und dass man sie nicht einfach so hergab. Als sie den Marktplatz erreichte, musste sie sich nur kurz umsehen, bis sie einen scheinbar verlassenen Stand sah. Ona sammelte ihren Mut und ritt auf den Stand zu. Da sie niemanden im inneren des Standes erkennen konnte, wandte sie sich kurzer Hand an die Frau, die am Stand daneben saß. “Verzeiht bitte die Störung. Wissen sie ob ich diesen Stand hier beziehen könnte?”
-
Es war früher Morgen als Ona in Eldan ankam. Auf ihrer Stute Kessy durchquerte sie das große Stadttor und war direkt im Marktgewimmel angekommen. Sie hatte eine lange und anstrengende Reise hinter sich, da sie in einem nordischen Dorf geboren und aufgewachsen war und nun bis zum östlichsten Punkt in Eposia geritten war. Während sie sich auf Kessy durch die überfüllten Straßen kämpfte, bemerkte Ona die wachsende Unruhe der Stute. Sie seufzte. Kessy mochte große Menschenmassen genauso wenig wie Ona selbst und machte dies durch nervöses Hufe scharren und angelegten Ohren sehr deutlich. Mit einem Augenrollen stieg Ona von Kessy ab, nahm die Zügel der Stute in die Hand und begann sich einen Weg zu der nächst besten Seitengasse zu bahnen um die Hauptstraße schnellst möglichst zu verlassen. Nach ein paar Minuten Fußweg kamen die beiden an eine abgelegene Taverne, wo Ona Kessy mit Heu und Wasser aus ihrer Satteltasche versorgte und dann vor der Taverne an band. Mit einem letzten Blick zu Kessy ging Ona in die Taverne um selber zu frühstücken.